Die Verwaltung informiert 33/2026
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
nach vielen Jahren der Vorbereitung ist es nun so weit: Das DRK-Familienzentrum „Rose“ auf der Schlossstraße in Ilvesheim konnte feierlich eingeweiht werden. Aus einer Idee wurde ein Konzept, aus dem Konzept ist nun ein Ort geworden, der künftig Frauen und Kindern Schutz und Unterstützung bietet.
Zur Einweihung waren zahlreiche Gäste aus dem Rhein-Neckar-Kreis angereist, allen voran unser neuer Landrat Manuel Just sowie die Bürgermeister Thorsten Riehle (Stadt Mannheim), Stefan Schmutz (Stadt Ladenburg) und Florian König (Edingen-Neckarhausen) sowie zahlreiche Kreis- und Gemeinderäte. Auch die Blaulichtfamilie war mit DRK, Feuerwehr und Polizei in großer Stärke vertreten.
Der Startschuss für die Umbauphase fiel am 22. April 2024. Seitdem wurde das historische Gebäude zu einem modernen Familienzentrum mit insgesamt 28 Schutzplätzen umgebaut. Der DRK-Kreisverband Mannheim ist Träger und betreibt die Einrichtung im Auftrag des Rhein-Neckar-Kreises. Das Besondere an der „Rose“ ist die Verbindung von Schutzwohnen und Begegnungsort. Familien, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, finden hier einen sicheren Rückzugsort. Gleichzeitig entsteht ein offener Bereich für Begegnung, Beratung und Unterstützung. Das Zentrum richtet sich damit nicht nur an die Bewohnerinnen und Bewohner, sondern auch an Interessierte und Ratsuchende aus Ilvesheim und dem gesamten Rhein-Neckar-Kreis.
Das Konzept verbindet Offenheit und Sicherheit: Der Standort der „Rose“ ist bekannt und sichtbar – und trotzdem wird mit modernen Sicherheitsstandards dafür gesorgt, dass die notwendige geschützte Umgebung für die betroffenen Frauen und Kinder gewährleistet ist. Damit setzt das Familienzentrum auch ein Zeichen gegen Stigmatisierung und für mehr Sichtbarkeit beim Thema häusliche Gewalt. Für mich als Bürgermeister ist es etwas Besonderes, dass dieses Projekt gerade hier in Ilvesheim verwirklicht werden konnte. Die „Rose“ steht mitten in unserer Gemeinde und übernimmt eine Aufgabe, die weit über die Grenzen unseres Ortes hinausreicht. Gleichzeitig erfährt das historische Gebäude nach dem Ende seiner Nutzung als Gastwirtschaft eine sinnvolle und zukunftsgerichtete neue Aufgabe.
Bei der Einweihung wurde noch einmal deutlich: Die „Rose“ ist weit mehr als ein Gebäude. Sie ist ein Stück Ilvesheimer Geschichte. Folgende Eckdaten aus den Arbeiten des Historikers Markus Enzenauer, hier verkürzt wiedergegeben, machen die lange Geschichte des Hauses deutlich: Lange Zeit galt 1803 als das Gründungsjahr der Gastwirtschaft. Heute wissen wir, dass die Geschichte der „Rose“ deutlich weiter zurückreicht. Bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts finden wir den „Rosenwirt“ Johann Caspar Bühler in den Ilvesheimer Unterlagen. Das Landesdenkmalamt datiert den ursprünglichen Bau sogar auf die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts, etwa auf die Jahre 1720/30. Damit gehören Teile des Hauses zu den ältesten noch erhaltenen Baulichkeiten in unserem Ort.
Die „Rose“ lag am Weg zur Fähre und damit an einer wichtigen Verkehrsverbindung. Sie war Postkutschenstation, Gasthaus und Übernachtungsmöglichkeit. Hier wurde gegessen, getrunken, übernachtet – und vermutlich schon damals ordentlich miteinander geredet. Über die Jahrzehnte hat das Haus immer wieder neue Aufgaben übernommen. 1933 wurde der rund 130 Quadratmeter große Saal zum Schulsaal umgebaut, weil die Räume der Volksschule in der Schlossstraße nicht mehr ausreichten. Während des Zweiten Weltkriegs diente die „Rose“ 1944 als Unterkunft für ausländische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, die für die Mannheimer Motorenwerke eingesetzt wurden.
Besonders eng verbunden ist die jüngere Geschichte mit der Familie Stadler. 1957 übernahm Karl Stadler die „Rose“. Später führten Wilfried und Margarete Stadler das Gasthaus weiter, danach Birgit und Sven Stadler. Bis 2021 blieb die Familie mit der „Rose“ verbunden.
Viele von uns verbinden deshalb persönliche Erinnerungen mit diesem Haus: an die gutbürgerliche Küche, die Martinsgans, Stammtische und Vereinsabende, Familienfeiern, die Kerwe und natürlich die berühmte Kerwegans. Viele Vereine wurden hier gegründet. Die „Rose“ war über viele Jahrzehnte ein wichtiger Treffpunkt und ein fester Bestandteil unseres Ilvesheimer Lebens. Mit der Einweihung beginnt für dieses historische Haus nun ein neues Kapitel. Aus dem Gasthaus „Zur Rose“ wird das DRK-Familienzentrum „Rose“. Die Aufgabe ist eine andere geworden – aber etwas Entscheidendes bleibt gleich: Die „Rose“ bleibt ein Ort für Menschen. Früher kamen Menschen hierher, um einzukehren, zu feiern oder zu übernachten. Heute finden Frauen und Kinder hier Schutz, Unterstützung und eine Perspektive in einer besonders schwierigen Lebenssituation.
Für Planung und Bau haben das Land Baden-Württemberg 1,5 Millionen Euro, die Hector-Stiftung 2,8 Millionen Euro und das DRK 0,8 Millionen Euro beigesteuert. Betreiber ist der DRK-Kreisverband Mannheim, die Finanzierung des laufenden Betriebs übernimmt der Rhein-Neckar-Kreis.
Mein herzlicher Dank gilt allen, die dieses Projekt möglich gemacht haben: den Verantwortlichen sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des DRK, dem Rhein-Neckar-Kreis, dem Land Baden-Württemberg und der Hector-Stiftung. Ebenso danke ich meinem Vorgänger Andreas Metz und dem Gemeinderat für die politische Begleitung und die klaren Entscheidungen, die maßgeblich zur erfolgreichen Umsetzung beigetragen haben.
Allen, die im Familienzentrum arbeiten und Verantwortung übernehmen, wünsche ich viel Kraft, Erfolg und Zuversicht für ihre wichtige Aufgabe. Möge die ‚Rose‘ für viele Menschen ein Ort der Sicherheit, Unterstützung und neuen Hoffnung sein.
Ihr
Thorsten Walther
Bürgermeister








